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    Datenqualität & Governance

    ERP-Governance im Handel: Wer entscheidet, wenn Filiale, Einkauf und IT kollidieren

    Governance klingt nach Bürokratie. In Wahrheit ist sie die Voraussetzung für Geschwindigkeit.

    Stefan Radau9 Min. LesezeitJuni 2026Aktualisiert Juni 2026

    Handelsunternehmen sind organisatorisch vielstimmig: Zentraleinkauf, Category Management, Filial- oder Vertriebsorganisation, Logistik und IT verfolgen jeweils berechtigte, aber unterschiedliche Ziele. In einem ERP-Projekt prallen diese Interessen an jeder Prozessentscheidung aufeinander – bei Konditionen, Sortimentslogik, Preisaktionen oder Filialbelieferung.

    Ohne klare Governance wird jede dieser Fragen zur Grundsatzdebatte. Mit klarer Governance ist vorher geregelt, wer entscheidet, wer gehört wird und wie eskaliert wird. Governance ist damit kein Kontrollinstrument, sondern die Bedingung dafür, dass ein Projekt überhaupt entscheidungsfähig bleibt.

    Die vier Governance-Bausteine

    Was Governance im ERP-Projekt regelt

    Entscheidungsrechte

    Wer entscheidet final über Prozess, Scope und Customizing – und wer ist nur beratend?

    Gremien & Rollen

    Steering Committee, Projektleitung, Key User – mit klarer RACI-Zuordnung statt Doppelrollen.

    Eskalation

    Definierte Wege, wenn Einkauf, Filiale und IT sich nicht einigen – bevor es das Projekt blockiert.

    Daten-Governance

    Wer pflegt und verantwortet Stammdaten zu Artikel, Kondition und Lieferant – dauerhaft, nicht nur im Projekt.

    Der häufigste Fehler: zu groß, zu unverbindlich

    Viele Handelsunternehmen besetzen ihr Steering Committee mit zwölf Personen – und keiner darf am Ende allein entscheiden. Das Ergebnis ist ein Gremium, das berät statt steuert. Wirksame Governance ist klein, mit echter Entscheidungskompetenz und einem klaren Mandat der Geschäftsführung.

    Schwache vs. wirksame Governance

    Schwache Governance

    Wirksame Governance

    Entscheidung

    Konsenssuche bis zur Erschöpfung

    Klare Entscheidungsrechte, dokumentiert

    Gremium

    Groß, repräsentativ, unverbindlich

    Klein, kompetent, entscheidungsbefugt

    Eskalation

    Konflikte schwelen und blockieren

    Definierte Wege, schnelle Klärung

    Daten

    Niemand fühlt sich zuständig

    Data Owner je Stammdatenklasse benannt

    Eskalation, die funktioniert

    1

    Fachebene

    Einkauf, Filiale und IT klären auf Arbeitsebene

    2

    Projektleitung

    Bündelt Optionen und bewertet Auswirkungen

    3

    Steering Committee

    Entscheidet auf Basis vorbereiteter Vorlagen

    4

    Geschäftsführung

    Nur strategische Grundsatzfragen mit hohem Hebel

    1

    Fachebene

    Einkauf, Filiale und IT klären auf Arbeitsebene

    2

    Projektleitung

    Bündelt Optionen und bewertet Auswirkungen

    3

    Steering Committee

    Entscheidet auf Basis vorbereiteter Vorlagen

    4

    Geschäftsführung

    Nur strategische Grundsatzfragen mit hohem Hebel

    Aus der Praxis

    In einer ERP-Einführung im SHK-Handel wurde Governance ab Tag 1 aufgesetzt – Rollen, Entscheidungswege und Eskalation parallel zu Test und Change. Wie das in 16 Wochen gelang, lesen Sie in unserer Case Study zu Governance, Testmanagement & Change.

    Häufig gestellte Fragen

    Wie groß sollte ein Steering Committee im Handel sein?

    In der Regel fünf bis sieben Personen mit echter Entscheidungskompetenz – typischerweise aus Geschäftsführung, Einkauf/Category Management, Vertrieb/Filiale und IT. Größere Runden informieren, sie entscheiden nicht. Repräsentation lässt sich über Vorbereitung und Reporting sicherstellen, nicht über Sitzgröße.

    Was unterscheidet Projekt-Governance von Daten-Governance?

    Projekt-Governance steuert das Vorhaben bis zum Go-Live. Daten-Governance regelt dauerhaft, wer Stammdaten zu Artikel, Kondition und Lieferant pflegt und verantwortet. Im Handel ist gerade Letztere überlebenswichtig – falsche Konditionen oder Sortimentsdaten wirken direkt in Marge und Filiale.

    Quellen: eigene Projekterfahrung aus ERP-Vorhaben im Handel und Großhandel; weiterführend zu Rollen und Agenda siehe unseren Beitrag „ERP Steering Committee aufsetzen“.

    Wenn Sie dieses Thema in Ihrem Projekt vertiefen möchten, sprechen Sie mit uns.

    Mehr über Prozess- & Change-Analyse erfahren

    Über den Autor

    Stefan Radau

    Stefan Radau

    Gründer & Geschäftsführer

    Stefan Radau gründete Innovera Consulting 2018 – nach über zwölf Jahren in der ERP-Beratung großer Handels- und Mittelstandshäuser. Er begleitet Geschäftsführer und Bereichsleiter im Handel und Großhandel vendor-neutral, pragmatisch und messbar durch komplexe Transformationen.

    Zur PersonLinkedIn

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