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    Change & Adoption

    ERP-Schulungskonzept erstellen: Praxisleitfaden für den Mittelstand

    Warum Schulung mehr ist als eine Systemdemo am Beamer – und wie ein professionelles Schulungskonzept die Produktivität nach dem Go-Live beschleunigt.

    Stefan Radau9 Min. LesezeitJanuar 2026

    Warum ein Schulungskonzept über den ERP-Projekterfolg entscheidet

    Die letzte Woche vor dem Go-Live. Das Projektteam ist erschöpft, die Konfiguration steht, die Datenmigration läuft. Und jetzt sollen noch schnell die Schulungen durchgeführt werden. Zwei Tage lang zeigt ein Berater vom Systemhaus in einem Konferenzraum, wo man was klickt. Die Mitarbeitenden sitzen da, machen sich Notizen, nicken höflich. Am Go-Live-Tag wissen die meisten nicht mehr, was sie gelernt haben. Die Supporthotline glüht, Excel-Listen entstehen als Parallelsystem, und drei Monate später arbeitet ein Drittel der Organisation immer noch mit Workarounds.

    Dieses Szenario ist der Normalfall, nicht die Ausnahme. Der Grund: Die Schulung wird als Pflichttermin am Ende des Projekts behandelt, nicht als strategischer Erfolgsfaktor. Ein professionelles ERP-Schulungskonzept dagegen beginnt Monate vor dem Go-Live, ist auf die tatsächlichen Rollen und Prozesse der Anwender zugeschnitten und endet nicht mit dem Go-Live, sondern begleitet die Organisation in die nachhaltige Adoption. Der Unterschied zwischen einer Systemdemo und einem durchdachten Schulungskonzept ist der Unterschied zwischen einem gescheiterten und einem erfolgreichen ERP-Projekt.

    Schritt für Schritt zum ERP-Schulungskonzept

    Die Erstellung eines wirksamen Schulungskonzepts folgt einem strukturierten Prozess. Jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf und liefert die Grundlage für den nächsten. Die folgenden fünf Schritte beschreiben den Weg von der Bedarfsanalyse bis zur Erfolgsmessung.

    ERP-Schulungskonzept erstellen: 5 Schritte

    1

    Bedarfsanalyse

    Welche Rollen sind betroffen? Welche Prozesse ändern sich? Welches Vorwissen existiert? Wo liegen die größten Veränderungen im Arbeitsalltag?

    2

    Zielgruppen-Segmentierung

    Mitarbeitende nach Rollen und Schulungsbedarf gruppieren: Key User, Endanwender, Führungskräfte, IT-Administration. Jede Gruppe hat andere Anforderungen.

    3

    Methoden und Formate wählen

    Den richtigen Mix aus Präsenzschulung, E-Learning, Train-the-Trainer und Learning-by-Doing definieren – angepasst an die jeweilige Zielgruppe.

    4

    Schulungsplan und Materialien erstellen

    Zeitplan, Inhalte, Trainer, Räume und Materialien festlegen. Schulungsunterlagen prozessbezogen aufbauen, nicht systembezogen.

    5

    Durchführung und Erfolgsmessung

    Schulungen durchführen, Feedback einholen, Wissensstand prüfen und Konzept iterativ verbessern. Nachschulungen nach Go-Live einplanen.

    1

    Bedarfsanalyse

    Welche Rollen sind betroffen? Welche Prozesse ändern sich? Welches Vorwissen existiert? Wo liegen die größten Veränderungen im Arbeitsalltag?

    2

    Zielgruppen-Segmentierung

    Mitarbeitende nach Rollen und Schulungsbedarf gruppieren: Key User, Endanwender, Führungskräfte, IT-Administration. Jede Gruppe hat andere Anforderungen.

    3

    Methoden und Formate wählen

    Den richtigen Mix aus Präsenzschulung, E-Learning, Train-the-Trainer und Learning-by-Doing definieren – angepasst an die jeweilige Zielgruppe.

    4

    Schulungsplan und Materialien erstellen

    Zeitplan, Inhalte, Trainer, Räume und Materialien festlegen. Schulungsunterlagen prozessbezogen aufbauen, nicht systembezogen.

    5

    Durchführung und Erfolgsmessung

    Schulungen durchführen, Feedback einholen, Wissensstand prüfen und Konzept iterativ verbessern. Nachschulungen nach Go-Live einplanen.

    Die Bedarfsanalyse: Grundlage für alles Weitere

    Bevor Sie einen Schulungsplan erstellen, müssen Sie verstehen, was geschult werden muss – und was nicht. Die Bedarfsanalyse beantwortet vier zentrale Fragen: Welche Prozesse ändern sich durch das neue ERP-System? Welche Rollen sind von diesen Änderungen betroffen? Welches Vorwissen und welche Systemerfahrung bringen die Mitarbeitenden mit? Und wo liegen die größten Veränderungen im täglichen Arbeitsablauf?

    Der häufigste Fehler in der Bedarfsanalyse: Sie wird aus der Perspektive des Systems durchgeführt, nicht aus der Perspektive der Anwender. Das System hat Module, Masken und Funktionen. Aber der Einkäufer denkt nicht in Modulen. Er denkt in Aufgaben: Bestellung anlegen, Liefertermin prüfen, Reklamation bearbeiten. Ein gutes Schulungskonzept übersetzt die Systemfunktionen in die Sprache der Anwender und orientiert sich an ihren tatsächlichen Arbeitsprozessen. Dafür brauchen Sie Input direkt von den Betroffenen – nicht nur vom Projektteam.

    Ein bewährtes Instrument ist die Schulungsbedarfsmatrix: eine Zuordnung von Prozessen zu Rollen mit einer Einschätzung des Veränderungsgrads und des bestehenden Kompetenzlevels. Diese Matrix zeigt auf einen Blick, wo der größte Schulungsbedarf liegt und wo vorhandenes Wissen ausreicht. Sie ist die Grundlage für die Priorisierung und Ressourcenplanung des gesamten Schulungskonzepts.

    Zielgruppen-Segmentierung: Nicht jeder braucht die gleiche Schulung

    Die Unterscheidung zwischen verschiedenen Zielgruppen ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren im ERP-Schulungskonzept. In der Praxis identifiziere ich regelmäßig vier zentrale Zielgruppen, die jeweils eigene Anforderungen an Tiefe, Format und Zeitpunkt der Schulung haben.

    Key User sind die Experten und Multiplikatoren. Sie werden am frühesten und am intensivsten geschult. Key User müssen nicht nur die Standardprozesse beherrschen, sondern auch Sonderfälle, Hintergründe und Konfigurationslogik verstehen. Sie sind die erste Anlaufstelle für Fragen im Arbeitsalltag und müssen in der Lage sein, Probleme einzuordnen und einfache Lösungen selbst zu finden. Die Schulung der Key User beginnt idealerweise drei bis vier Monate vor dem Go-Live und umfasst sowohl Systemwissen als auch Prozessverständnis und didaktische Grundlagen für die Weitergabe an Endanwender.

    Endanwender bilden die größte Gruppe. Sie brauchen praxisnahe Schulungen, die sich auf ihre konkreten Aufgaben konzentrieren. Ein Sachbearbeiter in der Auftragserfassung braucht keine Einführung in die Finanzbuchhaltung. Er braucht eine Schulung, die ihm zeigt, wie er seine täglichen Aufgaben im neuen System effizient erledigt. Die Schulung der Endanwender findet typischerweise vier bis sechs Wochen vor Go-Live statt und wird idealerweise von den Key Usern durchgeführt – nicht vom Systemhaus. Peer-to-Peer-Schulung ist wirksamer, weil die Key User die Sprache und die Alltagsrealität der Endanwender kennen.

    Führungskräfte brauchen keine Systemschulung im klassischen Sinne. Sie brauchen ein Verständnis dafür, was sich für ihre Teams ändert, welche Auswirkungen das auf die Arbeitsabläufe hat und wie sie ihre Mitarbeitenden in der Umstellung unterstützen können. Außerdem müssen sie die neuen Reporting- und Steuerungsmöglichkeiten kennen, die das System bietet. Die IT-Administration schließlich braucht technisches Tiefenwissen: Systemkonfiguration, Berechtigungsverwaltung, Monitoring und Troubleshooting.

    Die drei Phasen des ERP-Schulungskonzepts

    Ein wirksames Schulungskonzept erstreckt sich über drei Phasen, die den gesamten Projektzyklus abdecken. Jede Phase hat eigene Ziele, Zielgruppen und Methoden. Der größte Fehler in der Praxis ist, Schulung als einmaliges Event in Phase zwei zu behandeln und die Phasen eins und drei zu vernachlässigen.

    Die 3 Phasen des ERP-Schulungskonzepts

    Phase 1

    Pre-Go-Live: Vorbereitung und Befähigung

    3–6 Monate vor Go-Live. Key-User-Schulung mit Systemtiefe und Prozessverständnis. Führungskräfte-Briefings zur Veränderungskommunikation. Erstellung und Erprobung aller Schulungsmaterialien. Train-the-Trainer-Programm für Key User. Endanwender-Schulung 4–6 Wochen vor Go-Live mit prozessbezogenen Inhalten.

    Phase 2

    Go-Live: Begleitung und Unterstützung

    Go-Live-Tag bis Woche 4. Intensive Floor-Walking-Unterstützung durch Key User und Trainer direkt am Arbeitsplatz. Helpdesk mit kurzen Reaktionszeiten. Tägliche kurze Q&A-Sessions für die häufigsten Fragen. Schnelle Identifikation und Behebung von Schulungslücken. Dokumentation wiederkehrender Probleme für Nachschulungen.

    Phase 3

    Post-Go-Live: Vertiefung und Verankerung

    Woche 5 bis Monat 6 nach Go-Live. Gezielte Nachschulungen basierend auf identifizierten Lücken. Vertiefungsschulungen für fortgeschrittene Funktionen. Aufbau einer internen Wissensdatenbank. Regelmäßige Refresher-Sessions. Onboarding-Konzept für neue Mitarbeitende. Übergang in die kontinuierliche Lernkultur.

    Phase 1: Pre-Go-Live – die entscheidenden Monate

    Die Pre-Go-Live-Phase ist die wichtigste Phase des Schulungskonzepts. Hier werden die Grundlagen gelegt, auf denen alles Weitere aufbaut. Der zentrale Baustein ist die Key-User-Schulung. Key User müssen nicht nur das System bedienen können, sondern die zugrunde liegenden Prozesse verstehen, Sonderfälle einordnen können und in der Lage sein, ihr Wissen an Endanwender weiterzugeben. Eine reine Systemschulung reicht dafür nicht aus. Key User brauchen zusätzlich didaktische Grundlagen: Wie erkläre ich einen Prozess verständlich? Wie gehe ich mit Fragen und Unsicherheiten um? Wie führe ich eine praxisnahe Kurzschulung am Arbeitsplatz durch?

    Die Endanwender-Schulung in Phase eins findet idealerweise vier bis sechs Wochen vor Go-Live statt. Früher ist nicht besser – das Gelernte wird vergessen, wenn die Anwendung nicht zeitnah erfolgt. Später ist riskant – die Mitarbeitenden haben zu wenig Zeit, das Gelernte zu verarbeiten und offene Fragen zu klären. Der optimale Zeitpunkt ist ein Kompromiss aus Aktualität und Vorbereitungszeit. Wichtig: Die Schulung der Endanwender muss prozessbezogen aufgebaut sein. Nicht: So funktioniert das Einkaufsmodul. Sondern: So läuft der Bestellprozess ab – von der Bedarfsmeldung bis zum Wareneingang.

    Phase 2: Go-Live – Unterstützung am Arbeitsplatz

    Die Go-Live-Phase ist die stressigste Phase für alle Beteiligten. Mitarbeitende müssen im Tagesgeschäft mit einem System arbeiten, das sie noch nicht sicher beherrschen. In dieser Phase ist die wichtigste Schulungsform nicht der Schulungsraum, sondern das Floor Walking: Trainer und Key User gehen direkt an die Arbeitsplätze, beantworten Fragen in Echtzeit und helfen bei konkreten Problemen. Floor Walking ist so effektiv, weil es genau dann stattfindet, wenn der Bedarf entsteht. Der Mitarbeitende bekommt individuelle Unterstützung bei seiner konkreten Aufgabe, in seinem konkreten Arbeitskontext. Planen Sie für die ersten zwei Wochen nach Go-Live mindestens einen Key User oder Trainer pro zehn bis fünfzehn Endanwender ein. Das ist ressourcenintensiv, aber es ist die wirksamste Investition in die Akzeptanz des neuen Systems.

    Phase 3: Post-Go-Live – vom Wissen zur Routine

    Nach dem Go-Live beginnt die Phase, die in den meisten ERP-Projekten sträflich vernachlässigt wird. Die ersten Wochen im neuen System zeigen, wo die Schulung Lücken hatte, welche Prozesse in der Praxis anders laufen als in der Theorie und welche Funktionen zusätzlich geschult werden müssen. Ein professionelles Schulungskonzept plant diese Phase von Anfang an mit ein. Gezielte Nachschulungen, basierend auf den tatsächlichen Supportanfragen und Fehlermustern der ersten Wochen, sind wirksamer als jede Vorab-Schulung – weil sie auf echten Erfahrungen aufbauen. Darüber hinaus ist Phase drei der Übergang in eine kontinuierliche Lernkultur. Ohne eine nachhaltige Struktur für Wissensaufbau und Wissenstransfer verliert die Organisation mit der Zeit die Kompetenz, das System effektiv zu nutzen. Eine interne Wissensdatenbank mit Prozessdokumentationen, FAQ und kurzen Video-Tutorials ist ein bewährtes Instrument, das über die Projektlaufzeit hinaus Wert stiftet.

    Schulungsmethoden im Vergleich: Der richtige Mix entscheidet

    Es gibt keine einzelne Schulungsmethode, die für alle Zielgruppen und alle Projektphasen gleich gut funktioniert. Die Kunst liegt im richtigen Mix. Präsenzschulungen im Schulungsraum eignen sich für die initiale Wissensvermittlung bei Key Usern und Endanwendern. Sie bieten die Möglichkeit für Rückfragen, Diskussion und gemeinsames Üben. Der Nachteil: Sie binden viele Ressourcen gleichzeitig und das Gelernte wird schnell vergessen, wenn es nicht zeitnah angewendet wird.

    E-Learning und Selbstlernmodule eignen sich als Ergänzung zur Präsenzschulung, insbesondere für Standardprozesse, die viele Anwender betreffen. Kurze, modulare Lerneinheiten von fünf bis zehn Minuten, die jederzeit abrufbar sind, ermöglichen ein selbstgesteuertes Lerntempo und können bei Bedarf wiederholt werden. Sie ersetzen keine Präsenzschulung, aber sie ergänzen sie wirkungsvoll – insbesondere in der Post-Go-Live-Phase als Nachschlagewerk.

    Das Train-the-Trainer-Konzept ist für mittelständische ERP-Projekte besonders wertvoll. Statt jeden Endanwender durch externe Trainer schulen zu lassen, werden die Key User so befähigt, dass sie die Schulungen für ihre Teams selbst durchführen können. Das spart Kosten, erhöht die Praxisnähe und stärkt die Position der Key User als Ansprechpartner im Arbeitsalltag. Voraussetzung ist, dass die Key User nicht nur fachlich, sondern auch didaktisch vorbereitet werden.

    Learning-by-Doing im Sandkasten-System ist die realistischste Vorbereitung auf den Go-Live. Mitarbeitende arbeiten mit echten oder realistischen Daten in einer Schulungsumgebung und bearbeiten ihre tatsächlichen Aufgaben im neuen System. Diese Methode ist aufwendig in der Vorbereitung, weil sie eine aktuelle Schulungsumgebung mit realistischen Daten erfordert. Aber sie ist die effektivste Form der Befähigung, weil sie den Transfer vom Schulungsraum in den Arbeitsalltag minimiert.

    Innovera-Team bei der Schulungsplanung – praxisnahes ERP-Schulungskonzept für den Mittelstand
    Ein professionelles Schulungskonzept verbindet Theorie und Praxis – und bereitet Anwender auf den echten Arbeitsalltag vor.

    Schulungsmaterialien erstellen: Prozessbezogen statt systembezogen

    Die Qualität der Schulungsmaterialien bestimmt maßgeblich, wie nachhaltig das Gelernte im Arbeitsalltag ankommt. Der entscheidende Grundsatz: Schulungsmaterialien müssen prozessbezogen aufgebaut sein, nicht systembezogen. Ein Handbuch, das Masken und Felder beschreibt, hilft dem Anwender nicht, wenn er vor einer konkreten Aufgabe steht. Ein Handbuch, das den vollständigen Prozess von der Anforderung bis zum Ergebnis beschreibt und dabei die relevanten Systemschritte integriert, gibt dem Anwender Orientierung und Sicherheit.

    • Prozessdokumentationen mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen für die häufigsten Arbeitsabläufe erstellen
    • Screenshots mit Markierungen und Erklärungen verwenden – aber sparsam und immer im Prozesskontext
    • Quick Reference Cards für die täglichen Standardprozesse auf einer Seite zusammenfassen
    • FAQ-Dokumente basierend auf den häufigsten Fragen aus den Schulungen und dem Helpdesk pflegen
    • Kurze Video-Tutorials für komplexere Prozesse erstellen – maximal drei bis fünf Minuten pro Video
    • Alle Materialien zentral und leicht auffindbar ablegen – idealerweise im ERP-System selbst oder im Intranet
    • Materialien nach Go-Live basierend auf echten Supportanfragen aktualisieren und erweitern

    Schulungserfolg messen: Mehr als Teilnehmerlisten

    Die Anzahl der geschulten Mitarbeitenden ist kein Maß für Schulungserfolg. Sie ist ein Maß für Anwesenheit. Ein professionelles Schulungskonzept misst den Erfolg auf vier Ebenen. Erstens: Reaktion – wie haben die Teilnehmenden die Schulung bewertet? War sie praxisnah? Verständlich? Relevant für ihren Arbeitsalltag? Zweitens: Wissen – können die Teilnehmenden die geschulten Prozesse nach der Schulung erklären? Ein kurzer Wissenstest am Ende der Schulung gibt eine erste Einschätzung.

    Drittens: Anwendung – setzen die Teilnehmenden das Gelernte im Arbeitsalltag tatsächlich um? Diese Ebene ist die wichtigste und die schwierigste zu messen. Indikatoren sind Systemnutzungsraten, Fehlerquoten und die Entwicklung von Supportanfragen in den ersten Wochen nach Go-Live. Viertens: Ergebnis – hat die Schulung zu einer messbaren Verbesserung der Prozessqualität und Produktivität geführt? Diese Ebene erfordert einen längeren Beobachtungszeitraum und eine klare Definition der Ausgangsbasis vor der Schulung.

    Entscheidend ist: Die Ergebnisse der Erfolgsmessung müssen zu konkreten Maßnahmen führen. Wenn die Wissenstests zeigen, dass ein bestimmter Prozess nicht verstanden wurde, muss eine Nachschulung stattfinden. Wenn die Systemnutzungsraten in einer Abteilung niedrig sind, muss die Ursache analysiert und adressiert werden. Messung ohne Konsequenz ist Ressourcenverschwendung.

    Häufige Fehler im ERP-Schulungskonzept – und wie Sie sie vermeiden

    Fehler Nummer eins: Schulungen erst kurz vor Go-Live planen. Wenn Sie vier Wochen vor Go-Live mit der Schulungsplanung beginnen, haben Sie keine Zeit für Bedarfsanalyse, kein Train-the-Trainer-Programm und keine Möglichkeit, die Materialien zu erproben. Das Ergebnis sind generische Schulungen, die an der Realität der Anwender vorbeigehen. Beginnen Sie mit der Schulungsplanung spätestens drei Monate vor Go-Live.

    Fehler Nummer zwei: Systemschulungen statt Prozessschulungen durchführen. Mitarbeitende müssen nicht wissen, welche Felder eine Maske hat. Sie müssen wissen, wie ihr Arbeitsprozess im neuen System abläuft. Schulungen, die sich an der Systemstruktur orientieren statt an den Arbeitsprozessen, erzeugen Wissen, das nicht anwendbar ist.

    Fehler Nummer drei: Alle Mitarbeitenden gleich schulen. Der Lagerist hat andere Anforderungen als die Controllerin. Der Key User braucht eine andere Schulungstiefe als der gelegentliche Endanwender. Ein einheitliches Schulungsprogramm für alle führt dazu, dass die einen unterfordert und die anderen überfordert sind – und beide frustriert.

    Fehler Nummer vier: Nach dem Go-Live keine Nachschulungen einplanen. Die wichtigsten Lernmomente entstehen in den ersten Wochen der realen Anwendung. Wer hier keine Nachschulungen, kein Floor Walking und keinen strukturierten Wissenstransfer einplant, verschenkt die Phase, in der Schulung am wirksamsten ist.

    ChangeReady360: Schulungskonzepte, die wirken

    Im Rahmen von ChangeReady360 entwickeln wir Schulungskonzepte, die auf die spezifischen Anforderungen Ihres ERP-Projekts zugeschnitten sind. Von der Bedarfsanalyse über die Zielgruppen-Segmentierung bis zum Train-the-Trainer-Programm und der Post-Go-Live-Begleitung – methodisch fundiert, praxisnah und auf den Mittelstand ausgerichtet.

    Kontinuierliche Lernkultur: Schulung endet nicht mit dem Projekt

    Das beste Schulungskonzept verliert seine Wirkung, wenn es nach dem Go-Live endet. ERP-Systeme entwickeln sich weiter: Updates bringen neue Funktionen, Geschäftsprozesse verändern sich, neue Mitarbeitende kommen ins Unternehmen. Ohne eine nachhaltige Struktur für kontinuierliches Lernen erodiert die Systemkompetenz der Organisation über die Zeit.

    Eine kontinuierliche Lernkultur umfasst mehrere Elemente: ein strukturiertes Onboarding-Konzept für neue Mitarbeitende, das nicht nur die Systemeinführung abdeckt, sondern auch das Prozessverständnis vermittelt. Regelmäßige Refresher-Sessions, in denen Key User neue Funktionen vorstellen und Best Practices teilen. Eine gepflegte interne Wissensdatenbank, die als erste Anlaufstelle bei Fragen dient. Und ein klarer Prozess für die Kommunikation und Schulung bei System-Updates und Prozessänderungen.

    Der Aufwand für eine kontinuierliche Lernkultur ist überschaubar – wenn die Grundlage in Phase eins des Schulungskonzepts richtig gelegt wird. Key User, die im Projekt als Trainer ausgebildet wurden, können diese Rolle auch nach dem Projekt weiterführen. Schulungsmaterialien, die prozessbezogen aufgebaut sind, lassen sich bei Prozessänderungen gezielt aktualisieren. Und eine Wissensdatenbank, die im Projekt aufgebaut wurde, muss nach dem Projekt nur gepflegt, nicht neu erstellt werden.

    Fazit: Ein gutes Schulungskonzept ist eine Investition in Produktivität

    Ein professionelles ERP-Schulungskonzept ist keine Kostenposition. Es ist eine Investition in die Produktivität Ihrer Organisation nach dem Go-Live. Der Unterschied zwischen einem durchdachten Schulungskonzept und einer Systemdemo am Beamer zeigt sich in den ersten Wochen nach der Einführung: in der Anzahl der Supportanfragen, in der Fehlerquote bei kritischen Prozessen, in der Geschwindigkeit, mit der die Organisation ihre volle Arbeitsfähigkeit erreicht – und in der Akzeptanz der Mitarbeitenden gegenüber dem neuen System.

    Investieren Sie Zeit in die Bedarfsanalyse, segmentieren Sie Ihre Zielgruppen sorgfältig, wählen Sie den richtigen Methodenmix und planen Sie die Post-Go-Live-Phase von Anfang an mit ein. Befähigen Sie Ihre Key User als Trainer und Multiplikatoren. Messen Sie den Schulungserfolg konsequent und leiten Sie Maßnahmen daraus ab. Wer das tut, gibt seinem ERP-Projekt die beste Grundlage für nachhaltige Adoption und langfristigen Projekterfolg.

    Wie gut ist Ihre Organisation auf den Go-Live vorbereitet?

    In einem kostenlosen 30-minütigen Gespräch analysieren wir gemeinsam, wo Ihr ERP-Schulungskonzept steht: Sind die richtigen Zielgruppen identifiziert? Ist der Zeitplan realistisch? Sind die Key User ausreichend befähigt? Welche Lücken bestehen noch – und welche Maßnahmen haben jetzt den größten Hebel?

    Häufig gestellte Fragen

    Wann sollte man mit der Schulungsplanung für ein ERP-Projekt beginnen?

    Spätestens drei Monate vor dem geplanten Go-Live sollte die Schulungsplanung beginnen. Die Bedarfsanalyse und Zielgruppen-Segmentierung erfordern Zeit, die Key-User-Schulung muss vor der Endanwender-Schulung stattfinden, und die Erstellung praxistauglicher Schulungsmaterialien lässt sich nicht in wenigen Tagen erledigen. Ideal ist es, das Schulungskonzept bereits in der Konzeptionsphase des ERP-Projekts als eigenständigen Workstream aufzusetzen – das spart später erheblichen Zeitdruck und erhöht die Qualität der Schulungen deutlich.

    Ist Train-the-Trainer besser als externe Trainer für ERP-Schulungen?

    Für die meisten mittelständischen ERP-Projekte ist Train-the-Trainer der empfehlenswertere Ansatz. Key User, die als interne Trainer fungieren, kennen die Arbeitsrealität, sprechen die Sprache der Endanwender und stehen auch nach der Schulung als Ansprechpartner zur Verfügung. Voraussetzung ist, dass die Key User nicht nur fachlich, sondern auch didaktisch vorbereitet werden. Externe Trainer haben ihre Berechtigung bei der Key-User-Schulung selbst und bei technisch komplexen Themen, die spezifisches Systemwissen erfordern. Die Kombination aus externer Expertise für Key User und internem Train-the-Trainer für Endanwender ist in der Praxis der wirkungsvollste Ansatz.

    Wie viel Budget sollte man für ERP-Schulungen einplanen?

    Als Faustregel empfehle ich, zehn bis fünfzehn Prozent des gesamten ERP-Projektbudgets für Schulung und Befähigung einzuplanen. Das umfasst die Key-User-Schulung, die Endanwender-Schulung, die Erstellung von Materialien, die Floor-Walking-Unterstützung nach Go-Live und die Nachschulungen in den ersten Monaten. In der Praxis wird dieses Budget häufig deutlich unterschritten, weil Schulung als nachgelagerter Kostenpunkt behandelt wird. Die Konsequenz sind höhere Supportkosten, längere Stabilisierungsphasen und eine geringere Nutzerakzeptanz – was die vermeintliche Einsparung bei der Schulung um ein Vielfaches übersteigt.

    Wenn Sie dieses Thema in Ihrem Projekt vertiefen möchten, sprechen Sie mit uns.

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