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Projektsteuerung & Risiken

Warum scheitern ERP-Projekte wirklich?

Ein Erfahrungsbericht aus der Praxis für alle, die keine Zeit für Märchen haben.

5 Min. LesezeitJuni 2025

Zwischen Budget, Zeitplan und Realität

ERP-Projekte scheitern. Nicht immer, aber erschreckend oft. Studien sprechen von 50 bis 70 Prozent der Projekte, die ihre ursprünglichen Ziele nicht erreichen. Doch woran liegt das wirklich?

Nach über zehn Jahren in der Projektleitung und Beratung sehe ich: Es liegt selten an der Software. Es liegt an uns – an den Entscheidungen, die wir treffen oder aufschieben. An den Strukturen, die wir nicht klären. An den Menschen, die wir nicht mitnehmen.

1. Das Projekt beginnt ohne klare Ziele

Wir brauchen ein neues ERP – das höre ich oft. Aber auf die Frage Warum? kommt selten eine klare Antwort. Manchmal ist es Unzufriedenheit mit dem alten System, manchmal der Wunsch nach Digitalisierung, manchmal einfach: Die anderen machen das auch.

Ohne klare Ziele fehlt dem Projekt die Richtung. Jede Anforderung wird gleich wichtig, jede Diskussion dauert länger, jede Entscheidung wird vertagt. Das Ergebnis: Scope Creep, Frustration, Verzögerung.

Bevor Sie ein ERP-Projekt starten, beantworten Sie drei Fragen: Was wollen wir erreichen? Woran messen wir Erfolg? Was sind wir bereit zu ändern?

2. Die Fachbereiche werden zu spät eingebunden

ERP-Systeme werden oft als IT-Projekt verstanden. Die IT wählt die Software, die Berater konfigurieren, und irgendwann werden die Fachbereiche geschult. Das funktioniert nicht.

Denn ERP-Systeme bilden Geschäftsprozesse ab. Wer diese Prozesse nicht kennt, kann kein gutes System bauen. Und wer nicht gefragt wird, fühlt sich übergangen – und blockiert.

3. Die Ressourcen sind zu knapp bemessen

Key User sollen nebenbei arbeiten. Projektleiter haben noch drei andere Themen auf dem Tisch. Und für externe Beratung ist kein Budget da. Das rächt sich.

ERP-Projekte brauchen Zeit. Nicht Überstunden, sondern echte, eingeplante Kapazität. Wer hier spart, zahlt später – in Form von Fehlern, Nacharbeit und verlorener Motivation.

4. Entscheidungen werden nicht getroffen

In fast jedem Projekt gibt es Punkte, an denen niemand entscheiden will. Sollen wir Standard oder Custom? Wer hat die Datenhoheit? Welche Prozesse ändern wir – und welche nicht?

Offene Entscheidungen stauen sich auf. Irgendwann ist das Projekt so verstopft, dass nichts mehr vorangeht. Ein guter Projektleiter eskaliert – bevor es zu spät ist.

5. Das Change Management fehlt

Ein neues ERP-System ist Veränderung. Arbeitsweisen ändern sich, Zuständigkeiten verschieben sich, alte Gewohnheiten müssen aufgegeben werden. Wer das ignoriert, bekommt Widerstand.

Change Management ist kein Nice-to-have. Es ist die Voraussetzung dafür, dass das neue System auch genutzt wird – und nicht nach sechs Monaten still und leise wieder umgangen.

Fazit: Projekte scheitern nicht an Technik

Sie scheitern an fehlender Klarheit, an mangelnden Ressourcen, an ungetroffenen Entscheidungen und an vergessenen Menschen. Wer das weiß, kann gegensteuern.

ERP-Projekte sind komplex. Aber sie sind machbar – wenn man sie ernst nimmt, von Anfang an.

Wenn Sie dieses Thema in Ihrem Projekt vertiefen möchten, sprechen Sie mit uns.