Standard statt Sonderlösung – warum Individualisierung teuer werden kann
Warum Individualisierung teuer werden kann und so wenige ERP Standardprozesse nutzen.
Der Wunsch nach dem perfekten System
Das haben wir schon immer so gemacht – dieser Satz fällt in fast jedem ERP-Projekt. Und oft folgt darauf der Wunsch, genau diesen Prozess im neuen System exakt so abzubilden. Das Problem: Was im Altsystem funktionierte, ist nicht automatisch das Beste.
Individualisierungen kosten Geld – nicht nur bei der Implementierung, sondern auch bei Updates, Wartung und Support. Jede Anpassung ist ein potenzieller Fehlerfall, jede Sonderlösung ein Hindernis bei Systemupdates.
Was Standard wirklich bedeutet
ERP-Standardprozesse sind keine Einschränkung – sie sind geronnene Erfahrung. Hunderte von Unternehmen haben mit diesen Prozessen gearbeitet, Feedback gegeben und zur Verbesserung beigetragen.
Wer Standard nutzt, profitiert von diesem kollektiven Wissen. Wer individualisiert, muss alles selbst warten – und selbst bezahlen.
Wann Individualisierung sinnvoll ist
Nicht jede Anpassung ist falsch. Wenn ein Prozess echten Wettbewerbsvorteil bringt, kann eine Individualisierung sinnvoll sein. Die Frage ist: Ist dieser Prozess wirklich differenzierend – oder nur anders?
- Differenzierend: Ein Prozess, der Ihnen einen messbaren Marktvorteil verschafft
- Anders: Ein Prozess, der historisch gewachsen ist, aber keinen echten Mehrwert bietet
Bevor Sie individualisieren, fragen Sie: Wäre es schlimmer, diesen Prozess zu ändern – oder wäre es schlimmer, jedes Update manuell nachzuarbeiten?
Die versteckten Kosten der Individualisierung
- Höhere Implementierungskosten durch Entwicklungsaufwand
- Längere Projektlaufzeiten durch Testaufwand
- Wartungskosten bei jedem Systemupdate
- Abhängigkeit von spezialisierten Beratern
- Risiko bei Personalwechsel – wer kennt die Sonderlösung noch?
Der pragmatische Weg
Mein Ansatz: Standard wo möglich, Individualisierung wo nötig. Und nötig heißt: Es gibt einen klaren Business Case, der die Mehrkosten rechtfertigt.
In meinen Projekten führe ich früh eine Fit-Gap-Analyse durch: Welche Anforderungen deckt der Standard ab? Wo gibt es echte Lücken? Und welche Lücken können wir durch Prozessanpassung schließen – statt durch Systemanpassung?
Fazit: Weniger ist oft mehr
ERP-Projekte, die konsequent auf Standard setzen, sind schneller, günstiger und wartbarer. Der Preis dafür: Die Bereitschaft, eigene Prozesse zu hinterfragen. Wer das kann, hat schon die halbe Miete.
Wenn Sie dieses Thema in Ihrem Projekt vertiefen möchten, sprechen Sie mit uns.